Der Tod des Anderen >

Dein Tod ist mein Tod

Totaler Selbst- und Weltverlust. Sind nicht die Hinterbliebenen die eigentlichen Todesopfer?
Die Liebenden, die Hinterb-liebe-nen? DU Schlüssel meines Ichs!! DEIN Tod ist mein Tod, nur habe ich ihn überlebt. Ist es ein Vor­zug, zu überleben in der verzweifelten Leere, die nur DEIN Dasein ausfüllen könnte? Zum Überleben um jeden Preis verpflichtet? verurteilt? verbannt?

Heute wieder kann ich das Niewieder absolut nicht fassen. Es geht über meine Kräfte, zu ver­stehen, dass DU tot bist.

Manchmal steigt jetzt unvermutet, wie eine platzende Blase, in mir die Feststellung auf: Sie ist nicht mehr, sie ist nicht mehr, für immer und ganz … Neuer Schmerz.

Roland Barthes

Ich will DEIN Lächeln durch meines entstehen sehen und sehe nur noch DEINE wächsernen zu­gedrückten Lider vor meinem geistigen Auge. Zutiefst verstehe ich jetzt all diejenigen, die es nicht schaffen, es nicht schafften „darüber hinwegzukommen“: Maria Callas, die sich in ihrer Wohnung eingeschlossen hat nach Onassis Tod bis sie zwei Jahre später starb – Queen Victoria, die nach Alberts Tod sich 20 Jahre lang kaum mehr öffentlich zeigte – Delfine, die aufhören zu essen, wenn der Partner stirbt und alle anderen, die es nicht verkraften, überwinden, nie wieder funktionieren, wie es aber von der Trauer- und Leidenswissenschaft erwartet wird.

Für Liebende gilt das harte Gesetz: Sobald das Wir nicht mehr da ist, bricht das Ich zu­sammen, zerfällt in Bruchstücke, zertrümmert, kaputt, durch nichts anderes zusammen­zuhalten und zu definieren. Nicht nur er ist tot, mein liebstes Ich ist es auch.

Connie Palmen

DU+ICH=WIR oder 1+1=2
-DU=ICH–WIR= -ICH oder -1=1-2=-1 -DU=-ICH

Nicht der eigene Tod bedeutet meine Auslöschung, sondern der DEINE. Meine Seele stirbt – und ist zu Asche verbrannt wie der Leib meines Geliebten. Ich fühle mich zum Über­leben DEINES Todes verurteilt. Jeder Ratgeber ekelt mich an, der mir dieses Überleben schmackhaft machen will.

Der Wusch des Nachsterbens, so erkenne ich, entbehrt jeglicher Romantik.

Exkurs: Ludger Lütkehaus: Der Tod des Anderen. Vom Nachsterben.

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