L’échec 2

Vielleicht auch wehre ich mich quasi mit diesem Nicht-wollen-können vehement gegen ein oktro­yiertes Ich, weil jedes Ich ein durch die Katastrophe erzwungenes und oktroyiertes wäre, welches mich ebenso qualvoll an den Verlust meines wahren Ich erinnern würde, wie der Versuch, dieses jetzt verlo­rene wahre Ich äußerlich aufrechtzuerhalten bzw. wieder zusammenzukleben. Um nochmals jenes un­glückliche Beispiel der zerbrochenen Tasse zu bemü­hen: Jeden Tag meines Restlebens darauf gestoßen zu werden, dass ich aus dieser Tasse den köstlichsten Tee trank, der unwiederbringlich getilgt wurde, ist unaushaltbar.

Bleibt also das Überleben im échec eines insofern zu­mindest authentischen Ich?

Ich kann nur günstige Umstände schaffen in der Situation, in der ich mich befinde.

Dieser Satz begleitet mein Denken seit vielen Wo­chen. WELCHE Umstände wären für ein Überleben im échec (wenn man sich denn für ein solches entschei­det) günstig und WIE kann ich sie schaffen?

Ich fühle mich insgesamt zu sehr zerstört und gesundheitlich nicht in der Lage, in meinen Beruf zurückzukehren – allein der Gedanke bereitet mir höchste Panik. Wenn das jedoch die Ärzteschaft anders sieht, dann müsste ich kündigen und dies hätte unheilvolle materielle Konsequenzen zur Folge. Noch bin ich nicht an dem Punkt, an welchem mir das völlig egal wäre.

Die Kluge unterstützt mich sehr in dem Gedanken an eine Art „Traueratelier“. Trauern ist das einzige, das ich noch kann. Dabei habe ich ge­wisse kreative und didaktische Fähigkeiten nicht gänz­lich verloren oder verlernt. Ich könnte Trauernden Angebote machen, wie sie für ihre Verstorbenen ge­stalterisch tätig werden könnten und dafür entspre­chende Materialien bereitstellen und/oder aufberei­ten: Steine bemalen, Blumen binden, Kerzen gestal­ten, etc. Natürlich könnten sich Trauernde dort auch zum Reden und Kaffeetrinken treffen.

Ideen hätte ich genug, die Frage ist, wie man damit Geld verdienen soll.

Überdies habe ich nicht ansatzweise die Kraft, schon gar nicht den Willen, mich um eine wie immer gear­tete Umsetzung zu kümmern, denn schon fällt mir wieder ein, warum ich über derlei Projekte jetzt nachdenken wollen können sollte, und ich stürze in tiefste Verzweiflung

Doch will ich versuchen, diese Erwägung als eine Überlebensstrategie zu begreifen – als eine Notwendigkeit zur Schaffung günstiger Umstände im échec.

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