Dein Schweigen – Meine Stimme

Marie Luise Kaschnitz

Dir zum Gedächtnis dann
Mein wiegendes Sommergras
Dir zum Dank meine Blutende Rose
Dir zur Ehre Mein fliegendes Abendrot
Dir zuliebe Meine Tränen

In meinem Gedächtnis wohnst Du
Mein Leib ist dein Haus
Mir aus den Augen siehst du den Frühling
Noch immer die rote Kastanie.

Auf dem Fluß jedes Tages
Kommst du geschwommen
Steigst mit jeder Sonne
Mir über den Hügel.
Hände hab ich
Zehn Finger und flinke Füße
Näher kommst du
Ich fasse dich nicht.


Ihr sollt in mir sehen
Einen von zweien
Und hinter meinen Worten
Unruhig horchen
Auf die andere Stimme.

Marie Luise Kaschnitz, Dein Schweigen – Meine Stimme

Das Buch enthält Marie Luise Kaschnitz‘ Gedichte aus den Jahren 1958-1961. Sie sind entstanden nach dem Tod ihres Mannes.

Marie Luise Kaschnitz, Dein Schweigen Meine Stimme, Buchbesprechung