Hypnosystemische Trauerbegleitung

Roland Kachler

Für die Trauernden gibt es zunächst nur einen Wunsch: Der Verstorbene soll wieder leben und in der äußeren Realität präsent sein.
Für Trauernde wäre dies die beste Lösung. Kognitiv wissen Trauernde – mehr oder weniger eindeutig –, dass dies nicht mehr möglich ist. Emotional wünschen Trauernde sich die beste Lösung.
Viele Trauernde haben am Beginn des Trauerprozesses eine tiefe Angst, den Verstorbenen zu vergessen und ihn damit auch innerlich zu verlieren. Angesichts der äußeren Realität ist die beste Lösung nicht zu realisieren. Dies ist unendlich schmerzlich und muss in der Trauerarbeit immer wieder gewürdigt werden. Der Trauerweg ist wie die nun beschriebenen zweitbesten Lösungen etwas Erzwungenes, das Trauernde eigentlich so nicht wollen.


Die erste erzwungene! – zweitbeste Lösung besteht darin, dass Trauernde allmählich den Tod und die Abwesenheit des Verstorbenen realisieren müssen. Positiv formuliert, können die Hinterbliebenen lernen, mit der äußeren Abwesenheit des geliebten Menschen zu leben und ihr Leben ohne ihn zu gestalten. Aber – und das gilt es würdigen – diese Lösung kann das Leben mit dem geliebten Menschen nicht ersetzen und nicht über den Verlust »hinwegtrösten«.
Die zweite – erzwungene! – zweitbeste Lösung ist eng mit der vorigen zweitbesten Lösung verbunden. Sie besteht darin, den geliebten Menschen im Inneren wiederzufinden, ihn dort zu bewahren und eine innere Beziehung zu ihm zu kreieren und zu leben. Allerdings – und auch das ist zu würdigen – bleibt es eine innere, imaginative Beziehung, die eine Realbeziehung nicht ersetzen und über die reale Abwesenheit des geliebten Menschen nicht »hinwegtrösten« kann.

Den Trauernden sollte vermittelt werden, dass es [zunächst nur] darum geht: das zu überleben, was eigentlich nicht zu überleben ist: nämlich einen unendlich großen Verlust -dem standzuhalten, dem eigentlich nicht standzuhalten ist: nämlich dem Tod eines geliebten Menschen -das auszuhalten, was eigentlich nicht auszuhalten ist: nämlich die dauerhafte Abwesenheit des geliebten Menschen.

Roland Kachler, Hypnosystemische Trauerbegleitung

Ich bin sehr froh, dass dieses Buch endlich erscheint, es ist aus meiner Sicht längst überfällig und stellt einen echten Meilenstein dar.

Dr. med. Gunther Schmidt buecher.de

Roland Kachler, Hypnosystemische Trauerbegleitung, Video