Trauergedichte

LOSS

In losing you I lost my sun and moon
And all the stars that blessed my lonely night;
I lost the hope of Spring, the joy of June,
The Autumn’s peace, the Winter’s firelight.


I lost the zest of living, the sweet sense
Expectant of your step, your smile, your kiss;
I lost all hope and fear and keen suspense
For this cold calm sans agony, sans bliss.

I lost the rainbow’s gold, the silver key
That gave me freedom of my town of dreams;
I lost the path that leads to Faërie
By beechen glades and heron-haunted streams.

I lost the master word, dear love, the clue
That threads the maze of life
When I lost you.

Winifred M. Letts

Kummer löscht unsern Verstand,
Kummer tilgt aus, was wir gelernt haben,
Kummer raubt uns die innere Ruhe.
Es gibt keine schlimmere Verfinsterung unseres Geistes
als den Kummer.

Aus Indien

Da lieg‘ ich still und traure,
Mein Herz ist von Weh erfüllt!
Voll Sehnsucht denk‘ ich wieder
An ein entschwundnes Bild.

O, wärst du doch geblieben
Ein Engel zur Seite mir,
Ich wäre nimmer geworden
Der düstre Fremdling hier!

Christian Hoeppl

Breit ist die Ebene

Breit ist die Ebene zwischen Bergwand und Meer
Wo ich sitze um deinen Katafalk
Aufgeteilt in vier Klagfrauen

Rufe
Warum bist du gegangen

Rufe
Warum kommst du nicht wieder
Rufe
Dein Garten verwildert
Rufe
Dein Feld verdorrt.

Marie Luise Kaschnitz

Immer träum ich

Immer träum ich davon dir nachzusterben;
Aber eine künftige Rose
Bedarf vielleicht meiner Tränen
Um zu wachsen

Immer träum ich davon dir nachzusterben;
Aber ein kleines Unkraut
Bedarf vielleicht meines Blicks
Um sich zu wärmen


Immer träum ich davon dir nachzusterben
Aber ein leidenschaftlicher Rein
Bedarf vielleicht meiner Feder
Um dich zu singen.

Claire Goll

Memento

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang
nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
Und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr; –
Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muss man leben.

Mascha Kaleko

DEIN SCHWEIGEN

Du entferntest dich so schnell
Längst vorüber den Säulen des Herakles
Auf dem Rücken von niemals
Geloteten Meeren
Unter Bahnen von niemals
Berechneten Sternen
Treibst Du mit offenen Augen.

Dein Schweigen
Meine Stimme
Dein Ruhen
Mein Gehen
Dein Allesvorüber
Mein Immernochda

Marie Luise Kaschnitz

Bittgedanke, dir zu Füßen

Stirb früher als ich, um ein weniges früher
Damit nicht du den weg zum haus
allein zurückgehn musst

Reiner Kunze

Nessun maggior dolore
que recordarsi del tempo felice
nella miseria.

Kein größerer Schmerz
als sich erinnern glücklicher Zeiten
im Elend

Dante Alighieri

Und Trost ist nicht, da du mein Trost gewesen
Und Rat ist nicht, da du mein Rat gewesen
Und Liebe nicht, da ich um deinetwillen
Die Welt geliebt

Marie Luise Kaschnitz, Requiem II

Mit jeder Wolke form ich dein Profil
Jedem Kind schenk ich den Honig deiner Augen
Jeder Blume einer deiner Zärtlichkeiten
Jedem Lebewesen ein Echo
Deiner unerschöpflichen Kosenamen
Produkt von zehntausend Liebesnächten
Heute mit ebensoviel Tränen bezahlt

Aus dem kostbaren Mosaik des Gestern
Bau ich mir einen zeitlosen Tempel
Nur das Orakel fehlt ihm: deine Stimme.
Die Schallplatte in der sie lebt
Vergrub ich im Keller der Zeit
Denn träfen die Töne mein Ohr
Verfiele ich sicher dem Wahnsinn

Claire Goll

So tief verwundet ist dies Herz
So tief verwundet ist dies Herz –
Es möchte sich in Nacht versenken,
Nicht sehen, hören und nicht denken,
Nur fühlen seinen bitt’ren Schmerz!
So kostet‘ es ihn bis zum Grund,
Es müsste langsam sich verbluten,
Und aus den ausgebrannten Gluthen
Erhöb‘ es sich vielleicht gesund.

Nun aber wird der laute Tag,
Der ihn geschäftig will zerstören,
Des Herzens Qual nur noch vermehren,
Nicht stark es machen, sondern schwach.
Doch sei’s getragen – nach dem Wie
Nicht fragt der Selbstbeherrschung Wille;
Nur Aug‘ und Lippe, haltet stille,
Das inn’re Leid verratet nie!

Luise Büchner

Erstarrt

Gebannt in dumpfes Nichts lag meine Seele
Ringsum flammte Lieb‘ und Sommer in den Kehlchen,
Rings blühten duftig die Gedichte auf …
Doch meine Seele schlich erblindet, träge
Und tot durch goldigblonde Rhythmen hin …
Durch aller Rätsel ahnungsvolles Raunen
Gespensterkühl … matt und verständnislos.

Lisa Baumfeld